„Code ist die Sprache der digitalen Welt. Wer sie nicht lernt, gehört zu den neuen Analphabeten“

Samstagmorgen-Coding-Chiller oder warum Kinder programmieren sollten.

Seit ein paar Jahren setze ich mich immer wieder mit dem Thema „Programmieren im Kindesalter“ auseinander. Nun sitze ich als Mutter auch wirklich an der Quelle und kann immer wieder testen und beurteilen, welche Systeme gut sind und altersgerecht.

Im Kindergarten habe ich mich schon für die Anschaffung eines iPads mit dem Coding-Paket von Osmo eingesetzt. Ziel war es, die Nutzung eines Tablets zu etablieren, aber eben auch so, dass technikängstliche Eltern nicht gleich schreiend davon laufen. Aus den letzten Jahren weiß ich, dass es oft an Eltern scheitert, die Technologie grundsätzlich böse, unnütz und als zeitverschwendend betrachten. Deshalb war die Lösung, dass ein iPad zwar als Device vorhanden ist, aber eben auch mit haptischen Elementen in Interaktion treten kann, aus meiner Sicht die beste.

 

Nun sind wir seit einigen Wochen aus dieser Kindergartenzeit raus. Um uns schon darauf vorzubereiten, gab es vom Weihnachtsmann letztes Jahr einen kleinen sprechenden Roboter namens Dash. Dieser verfügt über mehrere Möglichkeiten, was ihn für mich besonders interessant gemacht hat, weil er damit für viele Altersstufen bespielbar ist. Dash funktioniert über mehrere Apps, die es kostenlos für Tablets und Smartphones gibt. Diese Apps unterscheiden sich grundlegend in der Bedienung und sind deshalb wirklich für alle Altersstufen geeignet. Es gibt die App Dash Go, die für eine reine Steuerung des kleinen Roboters genutzt werden kann, ohne dass programmiert werden muss. Gerade zum Kennenlernen, halte ich das für sehr sinnvoll. Erweitert wird der Roboter durch die App Wonder, die als Saga aufgebaut ist und durch verschiedene Level führt. In diesen Leveln werden unterschiedliche Schwierigkeitsstufen zum Programmieren angeboten. Was man wissen sollte: Diese Systeme bauen nicht darauf auf, sofort einen Code schreiben zu können. Viel mehr geht es darum, spielerisch zu lernen, wie man Abfolgen und Bedingungen erstellt. Das Ganze erfolgt immer mit bildlichen Bausteinen, jedoch lässt sich auch der Code dahinter ansehen. Das ist aus meiner Sicht für den Einstieg aber noch nicht nötig.

 

Erweitert wird die App-Sammlung durch Path. Hier ist es möglich, dem Roboter eine Wegstrecke zu programmieren, die er dann abfährt.

Die wichtigste App zu Dash ist für Kinder, die ihn erfolgreich kennengelernt haben, aber Blockly. Hier wird tatsächlich eine Oberfläche bereitgestellt, die es ermöglicht die Bedingungen und Abfolgen in Blöcken zu definieren. Eine Erweiterung für Erwachsene, in der sogar genaue Bewegungswinkel und Schnelligkeit definiert werden können, gibt es auch. So macht es dann auch der ganzen Familie Spaß. Dashs letzter Vorzug ist die Montage einer Lego-Plattform, auf der Steine befestigt werden können und Dash beispielsweise zum Elefanten umgebaut wird.

Seit heute testen wir den calliope mini. Ich bin einfach so enttäuscht von den nicht vorhandenen Möglichkeiten, die in unseren Schulen vorherrschen. Um in unserer Schule vor Ort, das Thema Digitalisierung vorantreiben zu können, muss ich mich aber logischerweise auch mit den vorhandenen Möglichkeiten auf dem Markt beschäftigen.

 

 

Da der calliope schon in einigen Schulen getestet wird und ich ihn selbst auf der Cebit diesen Jahres ausprobieren konnte, war klar, dass der bei uns einziehen muss. Um ihn in Betrieb zu nehmen, benötigt man einen Rechner. Um möglichem Streit aus dem Weg zu gehen, habe ich deshalb ein altes MacBook ausgemustert und zum Kindercomputer erklärt. Die Programmierung des calliope läuft über den Browser und ist von der Oberfläche ähnlich aufgebaut, wie die Blockprogrammierung bei Dash. Der calliope ist aber kein Roboter, sondern eine kleine Platine, die mit Lautsprecher, Mikrofon, verschiedenen Sensoren und LEDs ausgestattet ist. Das ermöglicht es, nicht nur Text oder farbige LEDs anzeigen zu lassen, sondern das kleine Wunderding tatsächlich in einem mehrstündigen Kurs, zur Wetterstation zu Programmieren. Sicherlich ist das kein Thema, mit dem man einsteigen sollte.

 

 

Die Anleitungen sind so konzipiert, dass sie von Lehrern für ganze Unterrichtseinheiten ausgelegt sind. Der kostenlose Download findet über die Website statt, es kann aber auch Lehrmaterial beim Cornelsen Verlag bestellt werden. Als Einstieg gibt es verschiedene witzige Aufgaben, wie die Programmierung eines Matherechners und Zufallsgenerators. Ausgelegt ist das Ganze System aus meiner Sicht für ganz unterschiedliche Unterrichtsfächer und deshalb auch ein perfekter Einstieg für Grundschüler.

Beim Test heute, haben wir mit dem schriftlichen Erklärungsteil angefangen und erstmal bestimmt, was eine Maus, was eine Tastatur und ein Akku sind, damit auch der Hardwareteil etwas weniger fremd wird. Dann haben wir uns den calliope genauer angesehen und geschaut, was auf der Platine verbaut ist.

 

 

Gerade für Eltern, die überhaupt keine Ahnung von Programmierung haben, ist das ein toller Einstieg. Das Material liefert einfache und übersichtliche Erklärungen, so dass auch Anfänger kaum etwas falsch machen können. Die Website von calliope fungiert auch als OpenSource und man hat die Möglichkeit, eigene Projekte mit Erklärung zu veröffentlichen. Auch diesen Gedanken finde ich super.

Wie wichtig der Gedanke Digitalisierung in Schulen ist, hat vor kurzem ein Artikel in der „Zeit“ bestätigt:

http://www.zeit.de/2017/12/programmieren-code-computer-mediale-bildung

Wir haben heute schon mit den einfachen Aufgaben angefangen und nach zehn Minuten und dem ersten Erfolg war bis zum Schlafengehen Programmierfieber angefangen und ich hörte nur: „Mama, wann programmieren wir weiter?“ Fazit also bis jetzt: Gut strukturiertes System mit sehr ausgereiften Anleitungen und Ideen. Absolut empfehlenswert.